Ein Jahr Machtkampf im Sudan: Millionen Menschen vor dem Hungertod - die größte Vertreibungskrise der Welt - wie können wir helfen?

Ein Jahr Machtkampf im Sudan: Millionen Menschen vor dem Hungertod - die größte Vertreibungskrise der Welt - wie können wir helfen?

Erschütternd: Im zweiten Briefing zur Humanitären Hilfe, zu dem ich gemeinsam mit der Hilfsorganisation Help e.V. – Hilfe zur Selbsthilfe eingeladen hatte, haben wir uns am Donnerstag über die katastrophale Lage im Sudan informiert.

Die größte Vertreibungskrise der Welt

Dort spielt sich vor unseren Augen die größte Vertreibungskrise der Welt ab. Wegen des seit einem Jahr andauernden brutalen Machtkampfs zwischen sudanesischen Streitkräften und den paramilitärischen “Rapid Support Forces” stehen Millionen von Menschen am Rande einer beispiellosen Hungerskatastrophe.

Rund 25 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, das ist über die Hälfte der Bevölkerung. Insgesamt 18 Millionen Menschen sind bereits jetzt von akutem Hunger betroffen. Schon bisher gab es Ernteausfälle von insgesamt 50%, in den Kampfgebieten von 78%. Die Felder können wegen des Bürgerkriegs kaum bestellt werden, Viehherden sind gefährdet, Infrastrukturen zerstört, ethnische Minderheiten werden ermordet, Frauen vergewaltigt. 18 Millionen Kinder können nicht zur Schule gehen. Über acht Millionen Menschen sind auf der Flucht, davon sind über sechs Millionen Binnenvertriebene und rund 4,5 Millionen Kinder.

Die globale IPC-Skala zur Ernährungssicherheit für den Sudan zeigt, dass der Großteil des Landes von akutem Hunger bedroht ist (Stufe 3, orange) und besonders der Süden, z.B. Darfur, bereits als humanitärer Notfall eingestuft wird (Stufe 4, rot).

Der Großteil der aus dem Land geflüchteten Menschen lebt unter schwierigsten Bedingungen im Nachbarland Tschad, wo die Arbeit in den aufnehmenden Gemeinden ganz eigene humanitäre Maßnahmen erfordert – wo Help e.V. deshalb seit Jahren sehr aktiv in der Flüchtlingshilfe ist.

Vergessene Krise in den Fokus rücken – Zugang zu internationaler Hilfe schaffen

In unserem Help-Briefing haben wir deshalb bewusst die Aufmerksamkeit auf diese von der Welt fast vergessene Krise gelenkt. Mit Dr. Martin Frick, Direktor des Berlin Global Office des Welternährungsprogramms WFP, und mit Tinega Ong’ondi, Regionaldirektor der NGO Tierärzte ohne Grenzen, haben wir darüber gesprochen, wie wir den Menschen am besten helfen können.

Gemeinsam mit meiner Wahlkreiskollegin von den Grünen, Kordula Schulz-Asche, im Gespräch mit Dr. Martin Frick vom WFP

Am wichtigsten ist es, durch Verhandlungen auf einen Waffenstillstand hinzuwirken und den Zugang für humanitäre Hilfsorganisationen und Hilfslieferungen in den Sudan zu verbessern, der aktuell wegen der Kampfhandlungen fast nicht mehr möglich ist.

Leider wurde die Resolution des UN-Sicherheitsrats vom März 2024, die genau das forderte, vom sudanesischen Militär bisher ignoriert. Aber die Verhandlungen gehen weiter.

Viehherden als Nahrungsquelle schützen

Essentiell ist auch, dass Impfstoffe gegen Tierseuchen ins Land gebracht werden können, denn die Landwirtschaft im trockenen Norden des Sudan beruht zum größten Teil auf Naturweidewirtschaft und Wanderviehherden. Über 100 Millionen Nutztiere bilden die Hauptnahrungsquelle.

Herzlichen Dank für den Input an Tinega Ong’ondi (Mitte) und sein Team von „Tierärzte ohne Grenzen e.V.“

Hoffnung durch Geberkonferenz

Hoffnung gibt, dass auf der internationalen Geberkonferenz für den Sudan, die am 15. April in Paris auf Einladung von Deutschland und Frankreich stattgefunden hat, über zwei Milliarden Euro zugesagt wurden – davon 244 Millionen Euro von Deutschland. Damit kann die dringendste Hilfe in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Wasser, Hygiene und Bildung zumindest endlich finanziell abgesichert werden. Das ist besonders für Frauen und Kinder wichtig, die am meisten unter der Katastrophe leiden.

Gemeinsame Erklärung des Menschenrechtsausschusses zum Sudan

Im Menschenrechtsausschuss haben wir uns bereits in der letzten Sitzungswoche ebenfalls mit der Lage im Sudan befasst und am 10. April gemeinsam mit den Ampelfraktionen eine Ausschuss-Erklärung zum Sudan verabschiedet.

Darin verurteilen wir die Gewalt und fordern einen sofortigen Waffenstillstand ebenso wie den umfassenden Zugang und die ausreichende Finanzierung humanitärer Hilfe.

Wir unterstützen weiter alle regionalen und internationalen Bemühungen zu einer friedlichen und nachhaltigen Konfliktbeilegung.